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Valparaíso – der Charme einer alten Hafenstadt mit Geschichte


Nun bin ich seit ein paar Tagen in Chile angekommen. Nach einer knapp 24stündigen Reise von Honduras aus „gefühlt“ eigentlich noch weiter weg, aber bei einem Blick in mein hiesiges Umfeld doch sichtbar näher an Europa: Chile ist nicht zu vergleichen mit einem Land wie Honduras mit Sorgen wie einer hohen Analphabetenrate, politischer Unruhen, einem Militärputsch im vergangenen Jahr, welcher den zuvor amtierenden und demokratisch gewählten Präsidenten über Nacht einfach absetzte und vielem mehr. Hier im Zentrum Chiles, im Wirkungskreis der Hauptstadt, scheint man eher ein Stück altes Europa zu finden. Der Unterschied in Kultur, Umgangsweisen, Konsum, Sicherheit u.v.m. zu dem Rest der spanischsprachigen Länder des Kontinents (Argentinien einmal ausgenommen, das m.E. fast noch mehr europäische Spuren aufweist) ist riesig und schon nach den ersten Stunden hier klar zu erkennen…

Als ich nach einer dank der Fluglinie stark verlängerten und dazu noch um 1 Tag verspäteten Reise endlich in Santiago de Chile gelandet bin, ist das erste, was mir auffällt: Es ist warm! Nachdem ich auch in Honduras durch Zufall im kältesten Ort des gesamten Landes genächtigt hatte, endlich Sommer, Sonne – und Meer. Denn zunächst ging es direkt nach Viña del mar, einer Stadt, die jetzt im Sommer durch die Anzahl strandhungriger Besucher (wie mich..) fast aus allen Nähten zu platzen scheint, im Winter dagegen wahrscheinlich recht einsam und sicher romantisch ist. Viña ist ein günstiger Aufenthaltsort für mich: A) Es liegt direkt an der Küste, so dass ich in Ruhe das bisher Erlebte verarbeiten kann ( sowohl im Kopf als auch hier im Blog) B) es ist nicht weit nach Santiago, der momentan mit knappen 40 Grad im Schatten im wahrsten Sinne des Wortes brodelnden Hauptstadt C) quasi nebenan gelegen befindet sich Valparaíso, die alte Hafenstadt und in früheren Zeiten wichtigste Stadt des Landes.

Nach der ersten Regenerationsphase, dem ersten chilenischen Wein und dem ersten Strandbesuch hat mich heute auch mein Weg nach Valparaíso geführt. Aus Viña kommend, fällt einem der Unterschied sofort auf: Während in Vina die Küstenstraße vor allem von Restaurants, Appartements, Hotels und derzeit vor allem Menschenmengen gesäumt wird, findet man in Valparaíso zunächst graue Lagerhallen, Containerstellplätze und Schiffsanleger: Hier liegt der wichtigste Hafen Chiles und dieser prägt die gesamte Stadt.

Nein, schön ist Valparaíso wirklich nicht…alles ein wenig verstaubt, verdreckt, kaputt…aber auch charmant irgendwie. Nicht nur die vielen bunt angemalten Häuser, die das Stadtbild prägen, die kleinen Plätze, der Markt, der Trubel am Hafen, sondern vor allem die Hügel.

Valparaíso zu besuchen ist ein bisschen wie wandern gehen: Bergauf, bergab, bergauf, bergab, von einem Aussichtspunkt ganz oben zum nächsten „must see“ unten im Zentrum. Gott sei Dank gibt es nicht nur Treppen, sondern, und das ist wohl das Spannendste, auch ganze 16 Aufzüge, die z.T. schon seit ca. 1880 treu ihren Dienst tun – trotz dem für mich z.T. etwas beängstigendem Ruckeln und Knatschen des Holzes. Früher hat man die Auf- bzw. Abfahrten noch rein über Gewicht bewegt (d.h. es mussten im Prinzip genauso viele Leute runter wie hoch fahren, damit das Gewicht der Aufzüge ausgeglichen war), seit 1906 aber schon mit Elektrizität. Dadurch, dass Valparaíso durch den Hafen schon damals der chilenische „Nabel zur Welt“ war, gab es hier übrigens schon Strom und Straßenbeleuchtung, lange bevor beides nach Santiago kam. Auch die erste Straßenbahn wurde hier gebaut und der „Mercurio“, die erste spanischsprachige Zeitung in ganz Südamerika, wird bis heute hier verlegt. Also eine Stadt mit Vorreiterrolle, neuen Ideen und viel Kreativität – das sollte sie eigentlich auch heute noch sein, schaut man sich an, dass seit 1990 das chilenische Parlament von Santiago hierher geholt wurde und dort ja die „klugen Köpfe“ die Zukunft des Landes bestimmen (sollen).
Ein Höhepunkt in Valparaíso ist sicher der Besuch eines der drei Häuser von Pablo Neruda, das hoch oben auf einem der Hügel gelegen ist. Verwinkelt und verschnörkelt und liebevoll „vollgestopft“ mit Erinnerungsstücken aus Nerudas Leben als Dichter, Politiker und Diplomat passt es perfekt zu dem Eindruck, den die ganze Stadt in einem weckt: Den Charme vergangener Zeiten…

Wer sich an dieser Stelle wundert, warum in meinem bisherigen Bericht noch keine Zeile über Kaffee geschrieben wurde: Chile ist absolut kein Kaffeeland!!
Klar, Kaffee wird hier nicht angebaut, das wusste ich zuvor auch. Aber Chile scheint auch bzgl. des Konsums von Kaffee nicht gerade von großer Relevanz: Die großen Einwandererströme aus Italien, die „nebenan“ in Argentinien nicht nur die spanische Sprache, die Einwohner selbst und die Küche stark eingefärbt und eben auch den Genuss von Kaffee gefördert haben, fehlen hier. Zwar gibt es auch hier in jedem Café einen Espresso oder „Cortado“ (eine Art kleiner Latte Macchiato), aber im Großen und Ganzen erscheint das Produkt Kaffee doch unter „ferner liefen“, sowohl in Quantität als vor allem in Qualität: Hier regiert, wie in so vielen anderen Ländern Latein- und Südamerikas leider vor allem der Instantkaffee…

Nichtsdestotrotz erwartet mich wenn alles klappt, vor Abreise noch ein Gespräch mit einem „Arbeitskollegen“, also jemandem, der im chilenischen Markt ebenfalls Kaffeespezialitäten in der Gastronomie vertreibt. Ich bin gespannt, was ich dabei über chilenische Kaffeepräferenzen und –spezialitäten erfahren kann…so lange beschäftige ich mich mit Rotwein und Pisco…

5 Comments

  1. M. / Evi
    Posted 29. Januar 2010 at 14:45 | #

    Hallo , Annika !
    Ich hoffe ,du “verkostest” Pisco und Wein nicht ebenso intensiv wie Kaffee bis du auch hierin Expertin bist!Ansonsten freue ich mich,dass du nach all der Anstrengung noch ein wenig Sommerurlaub genießt.Natürlich mit Erkundungen von Geschichte,Land und Kultur Chiles,wovon wir dankenswerterweise wieder profitieren dürfen.Noch schöne Tage wünscht dir M./ Evi

  2. Puzzles
    Posted 30. Januar 2010 at 10:34 | #

    Hallo liebes Änneken!!

    habe das WE abgewartet, um Deine Berichte in einem Rutsch durchlesen zu können…-mal wieder sehr interessant,detailreich und kurzweilig!
    Es kamen immer mal wieder Bilder von unserer Führung auf der Kaffeefinca in Costa auf…Natürlich nicht zu vergleichen mit Deinen Einblicken, da das doch auch ein bisschen auf Touri gemacht war :)
    Bin gespannt, was Du so von Chile, Land und Leuten berichtest!!(Während Du am Strand warst waren wir skifahren :) )
    Viele liebe Grüße aus dem eingeschneiten Berlin!

  3. Heidi
    Posted 1. Februar 2010 at 09:22 | #

    Liebe Annika,
    wir verfolgen mit großem Interesse und Freude deine Berichte und wären gerne mit dabei. Du hast einen wunderschönen Beruf, könntest jedoch als Schriftstellerin genauso gut dein Geld verdienen. Also keine Sorge vor der Zukunft….zur Info… Lasse`s Comic hat den 1. Platz belegt… somit steht dieser Idee nix im Wege…
    wir geniessen hier die herrlichen Schneetage, während du nun hoffentlich Energie tanken kannst für die nächsten Unternehmungen. Viel Vergnügen und herzlichste Grüße
    HuW

  4. bio42
    Posted 1. Februar 2010 at 14:47 | #

    Hallo,
    abgesehen von den interessanten Berichten wollte ich mich an dieser Stelle für die eindrucksvollen Bilder bedanken. Ich hoffe, es kommen noch mehr davon!

  5. Sam
    Posted 5. Februar 2010 at 10:49 | #

    liebe annika
    i love to read your stories! ich bewundere dein schreibtalent, dass mit der schriftstellerin wär durchaus eine tolle idee! aber du sollst vollmer noch lange treu sein :-) es ist so aufregend was du alles erlebst und sehen kannst! es freut mich sehr hier im kalten zürich ein stück wärme und temperament aus lateinamerika abzubekommen!! vielen dank! wir sehen uns hoffentlich bald zum käsefondue! ! küssse von der sam ( teil a des lieblingspäärchens *hehehe* :-) you rock! )

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