Nicht nur Nachhaltigkeitssiegel sind interessant für die Kaffeeproduzenten – auch Qualitätsauszeichnungen, die mit der Herkunft des Kaffees verknüpft sind, bringen am Markt höhere Preise, so z.B. die des Marcala Kaffees. Aber was macht eigentlich einen Marcala Kaffee aus oder genügt es einfach Kaffee in der Region um Marcala anzubauen um das Siegel zu bekommen? Nach einem Besuch bei der Zertifizierungsstelle in Marcala selbst geht es am nächsten Tag weiter nach Copán, im Westen von Honduras, bekannt vor allem wegen der dortigen Maya Ruinen. Die zu besichtigen habe ich leider nicht mehr geschafft – aber der Besuch bei der Kooperative Flor del Pino war den Verzicht darauf allemal wert…
Während der Tage hier in Honduras habe ich immer wieder Gespräche über das Differential auf den Börsenpreis, das momentan in Honduras sehr hoch ist, mitbekommen. Noch höher ist das Differential für einen Kaffee aus der honduranischen Region Marcala. Letztere ist nicht nur eine Angabe der geographischen Herkunft, sondern auch ein Qualitätsmerkmal, welches auch mit einem Siegel ausgezeichnet wird. Ziel dieser Zertifizierung ist zum einen, das Vertrauen in das Produkt zu stärken, weil anhand des Siegels erkannt wird, welche Geschmackskomponenten oder Aromen und welche Qualität der zertifizierte Kaffee impliziert. Sie soll aber auch die Region Marcala stärken, indem das kulturelle Erbe (zu dem der Anbau hochwertiger Kaffees gehört) geschützt und gefördert wird. Kaffee ist hier ja im Prinzip mehr als nur ein landwirtschaftlicher Zweig, vielmehr bestimmt Kaffee hier die Entwicklung oder den Stillstand, das wirtschaftliche und soziale Auf und Ab einer ganzen Region! Anlass zu der Initiierung einer Zertifizierungsmöglichkeit gab die Tatsache, dass in den letzten Jahren immer mehr Produzenten angaben, Marcala Kaffee anzubauen – auch aus anderen Regionen fern Marcala und von minderer Qualität. Während der Zeit der großen Kaffeekrise in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends gründeten einige Kaffeeproduzenten hier darum eine Organisation, die durch Kontrollen und eine offizielle Siegelvergabe den Namen „Cafe de Marcala“ schützen soll, gleichzeitig aber auch die Vermarktung desselben durch verschieden Marketingmaßnahmen unterstützt. Am 18. November 2005 wurde der Name als Marke offiziell eingetragen – das erste Herkunftssiegel in Honduras und Gesamtzentralamerika kam auf den Markt! 2007 exportierten erstmals vier Organisationen von Kleinproduzenten, darunter COMSA, elf Container zertifizierten Marcala Kaffee nach Deutschland, in die USA und nach Finnland.
Weg von der Theorie: Was macht denn nun den Marcala Kaffee aus?? Bei einer Verkostung von vier COMSA-Kaffees, die zur Zertifizierung anstehen (d.h. von vier Produzenten, die Mitglied bei COMSA sind) habe ich die Möglichkeit, das Team von der Zertifizierungsbehörde zu befragen. Dieses befindet sich –natürlich, wo sonst – mitten in Marcala und verfügt über ein erstaunlich gut ausgestattetes Verkostungslabor. Darin stehen nicht nur eine Miniaturausgabe einer Schälmaschine für Pergaminokaffee, sondern auch ein Proberöster, eine Mühle, ein Messgerät für die Restfeuchtigkeit im Kaffee (da der hier verkostete Kaffee ja frisch von der Ernte kommt und vor wenigen Tagen erst getrocknet wurde) und natürlich ein Verkostungstisch, Verkostungslöffel usw. Hier wird allerdings nur eine Vorentscheidung gefällt. Ob ein Produzent zukünftig das Siegel „Café de Marcala“ tragen darf und damit höhere Preise erzielt, wird zuletzt nicht hier, sondern in San Pedro Sula entschieden, im Norden, einige Autostunden entfernt. Der Grund für diese geographische Auslagerung: Hier kennt jeder jeden und nach eigener Aussage der Zertifizierer wäre man nicht davor geschützt, nicht doch einem Familienmitglied oder Freunden eher die Zertifizierung zu gewähren als anderen…das nenne ich mal Selbstkontrolle!
Tatsächlich bringt COMSA also vier Säckchen mit frisch getrocknetem Pergaminokaffee von der Aufbereitungsanlage mit. Der wird durch die „Retrilla“ geschickt, also geschält, Zurück bleibt der grüne Rohkaffee, der nun auf Restfeuchte untersucht wird. 12% – alles ok, weiter geht’s in den Proberöster, danach in die Mühle und dann in die Tasse. Wenn ein Produzent das Zertifikat anstrebt, muss er mehrmals mehrere Proben von verschiedenen Erntetagen abgeben.
Und wie schmeckt der Kaffee denn nun??? Eine feine Säure sollte er haben, mit Nuancen von Zitrusfrüchten und Aprikose – das ist das offiziell geforderte Profil. Des Weiteren muss der Kaffee auf mindestens 1200 Meter Höhe angebaut worden sein, aus einem geographisch genau bestimmten Gebiet um Marcala stammen und bei der Verkostung mindesten 80 Punkte gemäß der Bewertungsskala der Specialty Coffee American Association (SCAA) erhalten. Und dann bekommt jeder Sack Kaffee, zusätzlich zu Bio- oder Fairtradesiegel auch noch die Auszeichnung „Café de Marcala“…
Die heutigen Kaffees kommen auf jeden Fall in die nächste Runde und bei mir geht es weiter nach Copán, zu meinem letzten Kooperativenbesuch…
4 Comments
Hallo , Annika !
Der ” Cafe de Marcala” muss ja etwas ganz Feines sein ! Konntest du ihn auch probieren ? Schmeckt man die Nuancen von Zitrusfrüchten u. Aprikosen heraus ? Wahrscheinlich gehen sie bei den meisten Röstverfahren doch verloren! Doch bei den schonenden Röstungen von Vollmer vielleicht nicht ? Ich freue mich auf eine Antwort.
Liebe Grüße M. / Evi
Hallo Annika,
lese Anni täglich deine Berichte vor und wir sind begeistert.
Habe ich doch zufällig heute hier in Münster im Super Bio Markt 500 gr gemahlenen Bio Honduras Marcala für 9,95 € gekauft. Werde ihn morgen mal hier in meiner “Hexenküche” verkosten und berichten.
Ansonsten gehts uns gut. Anni hat gestern das erste mal 6 Stunden am Stück geschlafen … leider tagsüber… nachts hält sie uns (oder besser mich) alle 3 Stunden auf Trap. -aber wir arbeiten dran- Viele Grüße aus dem mal wieder verschneiten Münster!
Nina
Das kann ich dir erst sagen, wenn wir ihn in Altenberge einmal geliefert bekommen haben und dort geröstet haben – aber nachdem wir ja bei schonenden temperaturen und dafür mit ein wenig mehr zeit und Sorgfalt rösten, sollte das doch klappen. In Marcala hat man es jedenfall schon heraus geschmeckt…
ich berichte dann wieder…:-) LG
Hallo Frau Straßburger,
wenn ich Ihre Seite lese geht mir das Herz auf, besonders bei den Beiträgen über den Kaffeeanbau in Honduras. Wir haben vor einem Jahr ein wundervolles (körperbehindertes) Kind aus Honduras adoptiert, waren insgesamt fünf mal reisend “drüben”, mein Vater fährt schon seit dem Jahr 1999 jährlich über den Senioren-Experten-Service für das Maestro en Casa-Projekt rüber und hat nebenbei noch ein Solarlampenprojekt initiiert, dies u.a. in Marcala, wo ich leider selber noch nicht war.
Ich suche eiegntlich nach einer Möglichkeit, ein paar Kaffeebäume vorzugsweise in Honduras aber auch in Guatemala oder Costa Rica selber zu erstehen und meinen eigenen Kaffee genießen zu können, so ähnlich wie es eigentlich idealerweise bei dem Projekt bugisu in Uganda sein sollte ( http://www.bugisu.de ) Dort habe ich mal für meinen Vater Kaffeebäumchen erstanden. Es scheint dort aber nicht wirklich gut zu laufen. Kennen Sie in den genannten Ländern evt. ähnliche Möglichkeiten, natürlich vorzugsweise Bio-Qualität?
Ich würde mich über eine Rückmeldung sehr freuen.
Beste Grüße
Ulrike W.