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Ach wäre doch jeden Tag Karma Konsum…

Empowering a new Spirit in Business. Unter diesem Motto trafen sich am vergangenen Wochenende wieder Entscheider und Vordenker auf der vierten KarmaKonsum Konfererenz 2010, der Businesskonferenz und Networking-Veranstaltung für neues Wirtschaften und nachhaltige Lebensstile (LOHAS) in Frankfurt. Noch professioneller, noch besser organisiert, wie immer mit viel neuem Input zu Nachhaltigkeit und als spannende Netzwerkplattform hat die KarmaKonsum meiner Vorfreude in jeder Hinsicht Rechnung getragen.

Die KarmaKonsum Konferenz besteht aus einer Reihe von ausgewählten Fachvorträgen am ersten sowie einem umfassendem Workshopangebot am zweiten Konferenztag. Der eigentliche „Spirit“, der die Konferenz ausmacht, entfaltet sich aber mindestens genauso im Rahmenprogramm: bei der fairen Kaffeepause, dem nachhaltigen Mittagessen, auf der karmaeigenen Expofläche, auf der sich dieses Jahr rund 30 Aussteller mit nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen präsentierten, bei der Preisverleihung des Karma- Gründerawards für die beste nachhaltige Geschäftsidee, beim Probefahren nachhaltiger Autos rund ums Tagungsgebäude (übrigens der alten Frankfurter Börse), beim Guerilla- Meditieren und und und…

Bereits der erste Tag war ein Highlight: Wie oft werden inhaltliche tolle Konferenzen durch rhetorisch schwache Vorträge gebremst? Nicht so bei der KarmaKonsum, hier hat mich ausnahmslos jeder Beitrag interessiert und jeder Sprecher auch über den ganzen Vortrag hindurch konzentriert.

Da war zunächst die Key Note von Bernd Kolb: „Perspektive 2020: Haben unsere Kinder noch eine lebenswerte Zukunft?“
Natürlich wissen wir alle von „Umweltverschmutzung“, “Klimawandel“, „den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“. Aber genau diese immer wiederkehrenden Schlagworte sind es ja, die durch ihre kontinuierliche Verwendung in den Medien eine gewisse Abstumpfung seitens der Konsumenten bewirken. Hier zeigte Bernd Kolb anhand der sieben Todsünden (oder sieben grundlegenden Charaktereigenschaften, auf denen diese basieren), was wirklich dahinter steckt. Und das mit Beispielen und Zahlen, die einem im Gedächtnis bleiben und wieder wachrütteln! Mir zumindest war z.B. nicht bewusst, dass heute schon 9% aller Kindergeburtstage bei McDonalds gefeiert werden, wie viele Kinder in Deutschland aufgrund von falscher Ernährung krank sind, dass wir jeden Tag (!) rund 70 (!) Spezien aus Tier- und Pflanzenwelt weltweit für immer verlieren und der virtuelle Wasserverbrauch (also inklusive Wasserverbrauch durch Konsum diverser Produkte) in Deutschland sage und schreibe 4000 Liter pro Kopf beträgt.
Man könnte dem Redner anhand dieser Schreckensnachrichten ein wenig Schwarzmalerei vorwerfen, hätte er nicht am Ende des Vortrags auch die sieben Tugenden genannt, mit denen wir diesen Herausforderungen begegnen können – und müssen.

Ein weiteres Highlight: “Vom Spinner zum Winner”, ein Vortrag von Gründer und Inhaber des österreichischen Unternehmens Sonnentor Johannes Gutmann.
Die nachhaltig und regional produzierten Bio-Produkte mit der lachenden Sonne sind mittlerweile ja bekannt und vielerorts erhältlich, die Geschichte dahinter ist so einfach, so geerdet und gleichzeitig so enthusiastisch, dass das erfolgreiche Wachstum des Unternehmens nichts Anderes als logisch erscheint. Abgesehen davon: Ein bisschen „Spinner“ kam im Vortrag aus dem Sonnentor-Chef schon heraus, auch deshalb konnte ich gebannt zuhören!
http://www.sonnentor.com/

Unbedingt auch sehens- und lesenswert: Der Vortrag von Hannes Offenbacher “Das Social Web als Katalysator für eine nachhaltige Entwicklung”. Das Thema Social Media ist ja derzeit auf fast jeder Fachtagung präsent. Umso interessanter war dieser Themenaspekt durch die Verknüpfung zu Nachhaltigkeit. Mich hat beeindruckt, dass ein so aktiver Blogger, Twitterer und insgesamt Social Media-affine Redner gleichzeitig auch kritisch die neuen Medien betrachtet: „Es ist Zeit, dass wir einen Schritt weiter gehen und nach der primären Nutzung als Informations- und Protestmedium, das Web als kraftvolle Infrastruktur für das konkrete und wirkungsvolle Umsetzen von Projekten erkennen. „Walk the talk“ muss das Motto der nächsten Jahre sein – nicht ausschließlich über den notwendigen Wandel sprechen, bloggen und twittern, sondern mit dem hohen Anspruch an den Start gehen, etwas zu verändern zu verbessern.“

Die heutigen Social Media Nutzer aus den reihen der LOHAS sieht Hannes so:
„Diese „Generation Y“, die mit dem Web als selbstverständliches Werkzeug des Alltags aufgewachsen ist, scheint mir in ihrer Kreativität und vor allem ihrem Selbstbewusstsein gehemmt zu sein. Zu wenig zahlreich sind die rebellischen Initiativen, die über das Protestieren (und mag es auch die moderne und coole Form des „Flashmobs“ sein) hinausgehen. Wir scheinen in dieser Aufmerksamkeitsökonomie gefangen und so enden die meisten Projekte für Nachhaltigkeit beim Erzeugen von – wenn auch nur eingebildeten –Medienaufmerksamkeit. Doch das aktuell herrschende krampfhafte Ziel des „Auffallens“ bedeutet leider keine entsprechende Veränderung. Dieses hochfrequente Medienspiel, dieser Kampf um Klicks und Backlinks führt zwar zu einer besseren Vernetzung (und hat ohne Zweifel eine wichtige Funktion), doch wenn wir glauben damit eine umfassenden (System) Wandel zu erreichen, dann sind wir einer süßen Illusion erlegen. Immer wieder höre ich von den vielen, tollen Projekten und Initiativen – und im gleichen Gespräch wird mir etwas lethargisch von der Machtlosigkeit gegenüber dem politischen und wirtschaftlichen Establishments erzählt. „Es passiert zu wenig“, obwohl die Anzahl jener, die das Bewusstsein und die gleichen nachhaltigen Werte teilen, größer wird.“ http://karmakonsum.de/konferenz/presse/

Im gleichen Atemzug startete er darum einen Aufruf zu mehr agieren statt reagieren und schüttelte – wie ich fand mit beeindruckender Leichtigkeit – zahlreiche Möglichkeiten (und realistische Umsetzung) aus dem Ärmel. Grüne Tankstellen, Carsharing, regionale Aktionen…Das social web als Kommunikationsplattform ist sicher wichtig und wirkungsvoll, darf und kann aber nicht das eigentliche Tun, neue Ideen und zukunftsweisende Projekte ersetzen.
Mehr von Hannes Offenbach unter www.bessergehtsimmer.at

Weitere werte-volle Beiträge: “Slow Food – Beispiel für einen einfachen und nachhaltigen
Lebensstil” ”.
Slow Food – eine Bewegung, die übrigens auch Vollmer Kaffee schon seit vielen Jahren unterstützt – was ist das eigentlich? Slow Food setzt sich ein für Information und Aufklärung über gesunde und nachhaltige Ernährung und Esskultur, u.a. auch in Schulen, Bildungseinrichtungen etc. Darüber hinaus versucht Slow Food aber auch die Artenvielfalt im Pflanzen- und Nutztierbereich zu erhalten, indem die Organisation z.B. Nutzpflanzen, die fast gänzlich vom Lebensmittelmarkt verschwunden sind, bewahrt und wieder bewirbt („Arche des Geschmacks“). Zuletzt fördert Slow Food auch das Lebensmittelhandwerk, also traditionelle Anbau- und Verarbeitungsmethoden und die diese noch erhaltenden Manufakturen. Als Privatrösterei mit handwerklich traditionellem Röstverfahren (Langzeitröstung) und einem hohen Qualitätsanspruch, den wir auch in diversen Schulungsmodulen versuchen zu vermitteln, stehen wir der Slow Food- Philosophie also zu Recht besonders nahe.
http://www.slowfood.de/

Ähnlich angesprochen hat mich der Vortrag von Nicole Lüdi „Die neuen Sehnsuchtsfelder. Was Kunden morgen von Anbietern erwarten“. Hier ging es um Folgendes:
„Der «Consumer Value Monitor Food» belegt, dass in der Esskultur heute ein Wandel stattfindet. Auf eine Gesellschaft, die vom – zunehmend kritischen – Konsum industriell gefertigter Massenware geprägt war, folgt jetzt eine «Sehnsuchtskonsumgesellschaft». Denn die Ernährungsweise orientiert sich zwar immer mehr an dem, was den Konsumenten persönlich wichtig ist, zum Beispiel an Gemeinschaft und Ritualen, Zeit aufwenden zum selber Kochen oder bodenständig und traditionell essen. Gleichzeitig wird aber noch längst nicht allen Wünschen der Konsumenten entsprochen. Den Deutschen und Schweizern mangelt es an Übersicht, Vertrauen und der Möglichkeit, die
komplexe Welt mitzugestalten. Es wächst die Sehnsucht nach «Reconnection», also nach der Wiederanbindung an einen idealisierten Ursprung; eine Art «Heimweh zu Hause» entsteht, und man wünscht, die Dinge im Griff zu haben. Ein «Sehnsuchtsmantel» hat sich über die Konsumgesellschaft gelegt.“ http://karmakonsum.de/konferenz/presse/

Spannendes Fazit aus ihrem Vortrag für mich: Nachhaltigkeit wird seitens der Konsumenten heute im Kontext ihrer Sehnsucht nach Vergangenheit gefordert. Die Nachfrage nach frischen, chemiefreien, traditionell gefertigten, bodenständigen aber gleichzeitig hochwertigen Produkten basiert letzten Endes auf dem Wunsch nach Kontrolle, Geborgenheit, Vertrauen und Selbstbestimmung.

Für alle, die nicht live dabei sein konnten, gibt es im Laufe dieser Woche alle Vorträge auf der Karma Konsum Seite zu sehen: http://karmakonsum.de/konferenz/programm/.
Es lohnt sich wirklich, sich die verschiedenen Beiträge online anzuschauen!

Mit einer sehr amüsanten und unkonventionellen Laudatio überreichte Thomas D von den fantastischen Vier am ersten Abend den Karma Konsum Gründeraward – an das Modellabel Manomama aus Augsburg. Mehr zum ausgezeichneten Startup Unternehmen: www.manomama.de

Und was gab’s noch auf der diesjährigen Karma Konsum?

Viele spannende Menschen mit kreativen Ideen und jungen oder auch alt eingesessenen Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Z.B. Glovico, die Fairtrade Sprachschule für Spanisch, Französisch und Englisch, die über Skype Individualsprachunterricht mit Lehrern aus Entwicklungsländern anbietet und diesen somit einen fairen Lohn vor Ort, allen Sprachinteressierten dagegen individuellen Einzelunterricht zu fairen Preisen ermöglicht. http://www.glovico.org/

Oder ecoScan: Eco Scan ermöglicht sozial oder ökologisch engagierten Unternehmen mittels der Barcode-Scanning-Technologie für Mobiltelefone eine direkte Kommunikation mit ihren Kunden. Der Kunde kann mit seinem Smartphone dann über den Barcode Informationen erhalten, die weit über Fairtrade-Siegel o.ä. hinaus gehen. Z.B. was macht das Unternehmen sonst in Sachen Nachhaltigkeit? Wer genau hat das Produkt hergestellt? Wo? Mehr dazu und Beispiele: http://www.ecoscan.info/de/

Viele weitere Beispiele und Initiativen wären hier zu nennen! Feststeht, dass die Karma Konsum wirklich einen ganz eigenen „Spirit“ verbreitet und eine absolute Motivationsspritze für alle, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit privat aber vor allem beruflich befassen, darstellt. Schön ist es auch zu sehen, dass die Grenze zwischen sehr ideologischen „Alt-Ökos“ und sehr betriebswirtschaftlich pragmatisch orientierten „Businessmen“ bei dieser Konferenz verschwimmt und sich so wirklich spannende und vor allem bereichernde Kontakte mit Menschen irgendwo zwischen diesen Extremen ergeben.

Freue mich jetzt schon auf die Karma Konsum Konferenz 2011!

One Comment

  1. Posted 9. Juli 2010 at 10:35 | #

    Danke für die wertschätzenden Worte :-)

    LG
    C

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